
Tradition ist doch etwas Schönes
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"Ein einziges Mal in über 20 Jahren haben wir es gewagt, die Route zu ändern. Da waren wir in Mannheim. Da habe ich hinterher die Ohren lang gezogen bekommen, das mache ich nie wieder." Jörn Fuchs lacht. Er ist der Leiter der Senioreneinrichtung "Mathilde-Vogt-Haus" in Kirchheim. Unter seiner Federführung ging es gestern beim Jahresausflug also wieder flussaufwärts - per Schiff das liebliche Neckartal hinauf bis nach Neckarsteinach und wieder zurück. Mit dabei sind traditionell auch Bewohner und Tagesgäste aus der "Stadtresidenz am Park" und aus dem Bammentaler "Anna-Scherer-Haus" - insgesamt rund 200 Seniorinnen und Senioren aus den drei Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Das durchschnittliche Alter der Ausflugsgäste liegt bei über 86 Jahren. Kein leichtes Unterfangen: Vier Busse hatten die Ausflügler morgens eingesammelt und zur Neuenheimer Wasserschachtel unter die Theodor-Heuss-Brücke gebracht, wo die "Alt-Heidelberg" angelegt hatte. "Dass unser Schiff dort starten und die Busse direkt unter der Brücke halten dürfen, vereinfacht vieles", betont Fuchs. In den Jahren zuvor habe man beim Anleger der "Weißen Flotte" an der Stadthalle einsteigen müssen. "Dort ist es aber viel zu eng. Das war für die alten Leute mit Rollstühlen und Gehhilfen immer viel Stress." Auch der "Rhein-Neckar-Fahrgastschifffahrt" danke er, dass sie diesen neuen Start-Standort ermöglicht habe.
Also ist dieses Jahr alles einfacher: Auf der Neckarwiese setzt sich aus den Bussen ein Pulk munterer Senioren mit Rollator in Marsch Richtung Schiffssteg. 40 Betreuer sind dabei, helfende Hände schieben Rollstühle oder stützen beim Gehen. Darunter sind auch Schüler des Helmholtz-Gymnasiums, die im Mathilde-Vogt-Haus gerade ein Sozialpraktikum machen. Fuchs schaut dem Treiben entspannt zu. "Wir haben Erfahrung. Das klappt schon alles", sagt er.
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"Ach, ich freu' mich so!", seufzt eine alte Dame mit einem verklärten Lächeln in der Schlange vor dem Anlegersteg. Bis über 200 alte Menschen auf so einem Schiff sind, dauert es eine Weile. "Wenn ich meinen Platz erst einmal habe, dann wird es gut werden", hofft sie. Gemütlich auf dem Schiffsdeck sitzen, die langsam vorbeiziehenden Burgen, Städtchen undDörfer des Neckartals betrachtenund Freude dabei haben: Das ist das Ziel dieser kleinen Reise der Senioreneinrichtungen. Auf dem Weg nach Neckarsteinach gibt es noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen, auf der Rückreise eine heiße Wurst und ein Bier. "Auch das ist Tradition", erklärt Organisator Fuchs noch. "Ich werde den Teufel tun und daran etwas ändern."( rnz 12.7.12 M.Stumpf) |