Eine Ära geht zu Ende – Der Abschied von Herrn OStD Siegfried Zedler

Der 18. Juli 2019 am Helmholtz-Gymnasium stand ganz im Zeichen der Verabschiedung des Schulleiters. Bereits Wochen zuvor wurde, oft im Geheimen, geprobt, konzipiert und viel diskutiert. Im Vorfeld bastelten die Schülerinnen und Schüler ein gemeinsames Album mit Beiträgen aller Klassen, eine Idee der SMV. Die Lehrer und Lehrerinnen planten konspirativ eine Nachmittagsveranstaltung in der Turnhalle und daneben wurde auch der offizielle Teil sehr gut organisiert. Dieser begann pünktlich um 11:00 Uhr in der Aula mit einem rhythmischen Blues der Big Band unter der Leitung von Herrn OStR Andreas Keil.

Frau StD´n Verena Mechelk, stellvertretende Schulleiterin des Helmholtz-Gymnasiums, begrüßte die Gäste. Mit dem Bild des Schaukelstuhls, der sich hin- und herbewegt wie das Foucault`sche Pendel im Helmholtz-Gymnasium, deutete sie an, dass der Lebensweg auch immer Bewegung bedeutet und weitergeht. „An jedem Punkt seines Lebens kann man eine neue Richtung einschlagen,“ (Erwin Koch) wie es schon auf der Einladung zur Verabschiedung von Herrn OStD Siegfried Zedler zu lesen war.

Die geladenen Ehrengäste hielten ihre Reden, die Herrn Zedler würdigten und ihm seine Anerkennung aussprachen. Zunächst sprach für das Regierungspräsidium Karlsruhe Abteilungspräsidentin Frau Anja Bauer, die durch den Lebenslauf von Herrn Zedler führte und hie und da einige amüsante Passagen daraus erzählte. Sie sprach ihren Dank aus und verlas die offizielle Entlassung in seinen Ruhestand im Namen von Winfried Kretschmann, dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Ihr gelang auch die Überraschung des Tages: Frau Mechelk wurde offiziell zur Nachfolgerin ernannt und bekam mit auf ihren Weg, alles auf den Prüfstand zu legen, Traditionen zu bewahren und Innovationen voranzubringen. Frau Verena Mechelk wurde somit zum 1. August 2019 zur Schulleiterin des Helmholtz-Gymnasiums Heidelberg bestellt. Nach großem Applaus meldete sich Frau Mechelk zu Wort, dankte für das ihr damit entgegengebrachte Vertrauen und schloss mit den Worten ihrer Mutter, deren Inhalt sie in ihre zukünftige Amtszeit als neue Schulleiterin mitnehmen will: „Vergiss niemals, Mensch zu sein!“

Für die Stadt Heidelberg sprachen Bürgermeister Herr Dr. Joachim Gerner und der Amtsleiter, Herr Stephan Brühl, die die bewegte Geschichte des Helmholtz-Gymnasiums beleuchteten und sich für die Zukunft eine menschenwürdige, demokratische und nachhaltig geführte Schule wünschen. Frau Mechelk wurden Gelassenheit, Humor und Freude als Wunsch und ein bunter Blumenstrauß mit auf den Weg gegeben.

Anschließend begeisterten Carl Luft (Trompete) aus der Klasse 9c und Herr Keil (Klavier) das Publikum und führten hin zu den sich anschließenden Reden.

Für die Schulgemeinschaft folgten Frau OStR´n Wiebke Brettel (Personalrat), Herr Prof. Dr. Christoph Spengel (Freundeskreis), die Schülersprecher Nicolas Popp, Diana und Nadja Örüm sowie Frau Margit Lerche (Elternbeiratsvorsitzende). Im Gedächtnis blieben der Werdegang als Gleichnis, die einzigartige Helmholtz-Medaille aus dem Jahr 1907 aus dem Familienschatz von Herrn Dr. Spengel und das Album, in dem von allen am Schulleben Beteiligten persönliche Beiträge gemeinsam zusammengetragen wurden. Gleichzeitig ergingen Glückwünsche an Frau Mechelk und sie erhielt als liebenswürdiges Symbol von Frau Lerche einen Powerriegel für die Zukunft.

Powervoll ging es weiter mit dem außergewöhnlich überzeugenden „Bohemian Rhapsody“ (Mark Brymer), das Schülerinnen und Schüler der Kursstufe mit Esprit und Elan vortrugen.

In den nun folgenden Grußworten wurde noch einmal deutlich, wie viele Wegbegleiter Herr Zedler hatte und wie groß das Netzwerk war, welches er webte.

Frau Brokowski-Shekete vom Staatlichen Schulamt dankte für die vertrauensvolle Kooperation mit Herrn Zedler, die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Frau Regina Wehrle wies mit Herz auf die zehnjährige gute Zusammenarbeit mit ihm hin und Prof. Dr. Michael Braum, Stadtplaner und Hochschullehrer für Städtebau an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover sowie geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg, beglückwünschte Herrn Zedler zu der nun bevorstehenden Zeit ohne Fremdbestimmung. Die geschäftsführenden Schulleiter Herr RR Arnd Rupp, Theodor-Heuss-Realschule Heidelberg, Herr OStD Martin Dannenmann, Dipl.-Hdl., Schulleiter der Fritz-Gabler-Schule, Hotelfachschule Heidelberg, und Herr OStD Dr. Gerhard Weber, Schulleiter des Moll-Gymnasiums Mannheim, lobten Herrn Zedler als kooperativen und kommunikativen Gesprächspartner, dankten für die freundschaftliche Zusammenarbeit mit ihm und es wurde darauf hingewiesen, dass Herr Zedler sich stets als „360°-Interessierter“ (Zitat von Schulleiter Martin Dannenmann) gezeigt habe.

Für die amtierenden Direktor/innen der Heidelberger Gymnasien sprach Herr OStD Volker Nürk, Schulleiter des Bunsen-Gymnasiums Heidelberg, der Herrn Zedler den „Meister des Perspektivenwechsels“ nannte und seine Tugend der Besonnenheit lobte. Auch die schulischen Nachbarn des Helmholtz-Gymnasiums meldeten sich zu Wort und so sprach Herr OStD Andreas Wittemann, Schulleiter der Willy-Hellpach-Schule Heidelberg, im Namen der Campusschulleitungen (Pestalozzischule Heidelberg und Julius-Springer-Schule Heidelberg) Herrn Zedler seinen Dank für die gute Zusammenarbeit aus, verbunden mit der Hoffnung, dass die Campusidee weiterleben solle. Frau Sati Cinar, Schulleiterin der Klinikschuke Heidelberg betonte Herrn Zedlers anregende Produktivität und verwies auf den „Zauber des Anfangs…“ (Meister Eckhart), der nun auf ihn warte. Frau Rauth-Kästel vom Friedrichstift, Evangelische Kinder- und Jugendhilfe Leimen, hob besonders Herrn Zedler grundsteinlegendes Engagement bei der Einrichtung der Schulsozialarbeit hervor und Herr Hans-Ulrich Nollek von der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Heidelberg schloss sich in diesem Sinne mit Nachdruck an. Frau Braun und Herr Groeger (Schulsozialarbeiter/in) überreichten ihm anschließend eine kleine Badewanne voller Blumen. Die Schuldekanin der evangelischen Kirche in Heidelberg, Frau Dr. Beate Großklaus, und der Studienleiter der allgemein bildenden Gymnasien und Realschulen der evangelischen Landeskirche in Baden, Dr. Ulrich Löffler, wiesen auf Herrn Zedlers stetige Ausdauer, auf seine klaren Worte zur rechten Zeit hin und wünschten ihm Gottes Segen. Prof. Dr. Thomas Pfeifer vom Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg, nannte das Helmholtz-Gymnasium unter der Leitung von Herrn Zedler eine „schulische Hochburg der Naturwissenschaften“ und zitierte Einsteins Worte: „Abschiede sind Tore in neue Welten…“. Frau Prof. Dr. Beatrix Busse der Heidelberg School of Education (HSE) lobte Herrn Zedler als guten Zuhörer und Ratgeber und ernannte ihn zum Schulbotschafter der HSE; Frau Silke Reck, Direktorin der Volkshochschule Heidelberg, dankte ihm für die jahrelange gute Zusammenarbeit und nannte das Helmholtz-Gymnasium „einen guten Ort zum Lernen“ und schließlich wünschte Herr Sebastian Göbel, Verpflegungsbetriebswirt bei SRH Dienstleistungen GmbH, „Gesundheit und Spaß“.

Das Schlusswort hatte Herr Zedler selbst. Er dankte Frau Mechelk und allen, die daran beteiligt gewesen waren, diesen Tag zu gestalten, er dankte seiner Frau Ute Zedler, seinen Kindern und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Gemeinsames Miteinander sei ihm immer wichtig gewesen, betonte er, und es sei wichtig, lösungsorientiert zu denken und zu handeln. Nach 30 Jahren seines Traumberufes wolle er sich nun seiner Familie, seinen Freunden, der Astronomie, der Philosophie, dem Malen, dem Wandern und dem „Zauber des Anfangs…“ (Meister Eckhart) widmen.

Den Abschluss der Veranstaltung am Vormittag gestaltete das ausgezeichnete A-Capella-Quartett KARMA mit dem Lied „I´m walking“, in dem auch seine Tochter Alina Zedler mitsang. Besonders schön war sicherlich auch für Herrn Zedler, dass viele Familienangehörige angereist waren, auch seine Mutter war anwesend.

Nach den Reden waren nicht nur die Münder der Vortragenden trocken, auch die Zuhörer freuten sich auf den Umtrunk, der dank des sommerlichen Wetters auf dem Hof stattfinden konnte.

Glücklicherweise gibt es in einer so großen Schule immer fleißige Freiwillige, die die Gäste bewirteten. Nach dem leckeren Mittagsimbiss kam nun der Augenblick, bei dem alle Anwesenden mit Herrn Zedler in die Turnhalle wandelten. Das Staunen war groß, denn ein buntes Programm von über zwei Stunden startete. Die Rahmenhandlung zeigte mit drei Magiern und drei Turnerinnen die Anforderungen an einen Schulleiter sowie die Vielfältigkeit des Schulalltags und immer wieder flochten sich Wünsche für die Zukunft des scheidenden Schulleiters ein. Dabei zeigte sich, wie facettenreich das Leben eines Schulleiters ist. Viele Fachschaften engagierten sich mit begabten wie interessierten Schülerinnen und Schülern und so zeigte sich einmal mehr das Helmholtz-Gymnasium in seiner großen und bunten Vielfalt. Mehrere Sportgruppen zeigten ihr Talent, alle Theater-AGs waren beteiligt, Roboter fuhren durch die Halle, fünf Filmbeiträge flimmerten über die Riesenleinwand, es wurde gesungen und musiziert, gerechnet und gedichtet, der Bereich Astronomie kombinierte die Mondlandung mit Herrn Zedlers biografischen Eckdaten, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften arbeiteten Hand in Hand; Musisches, Kreatives und Innovatives war zu sehen; fremde Sprachen waren zu hören, zum Schluss formierte das Kollegium einen Segenswunsch auf über 40 Plakaten. Sein Geschenk, eine Multifunktionsuhr, durfte der scheidende Direktor mithilfe von Puzzlekisten zusammenbauen. Diesen zweiten und äußerst kurzweiligen und geistreichen Teil der Veranstaltung beendete das A-Capella-Quartett KARMA als Dank des Schulleiters an alle Beteiligten und verbreitete ebenfalls gute Laune im gesamten Publikum. An diesem Nachmittag ist das Kollegium mit vielen beteiligten Schülerinnen und Schülern über sich selbst hinausgewachsen. Es war nicht nur eine Veranstaltung zum Abschied; es zeigte der gesamten Schulgemeinschaft, was wochenlange Arbeit, geboren in einer Idee, der rege Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen, unter den Schülerinnen und Schülern und nicht zuletzt das beharrliche Üben während Abitur und Schuljahresende alles hervorbringen können. Vielen ist an dieser Stelle zu danken; die herzlichen Worte während des Entstehungsprozesses und danach tragen wir alle in uns. Einige sind besonders engagiert vorangegangen, andere folgten in dieser Motivation; der Lohn war ein sehr sehenswertes Programm, das seinesgleichen in der Helmholtz-Geschichte sucht. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen.

Sichtlich gerührt bedankte Herr Zedler sich für die Geschenke und den wunderschönen Tag, der ihm wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Text: Jörg-Stefan Gabriel / Verena Mechelk / Gertrud Edelmann

Fotos: Kirsten Bews

von l.jech am 16.09.2019 um 20:49